Die Entstehung der Herrschaft Ostrach
Wappen von Salem
Die Seelsorgeeinheit Ostrachtal (SEO) wurde zum 1.12.2002 errichtet. Sie führt im wesentlichen zusammen, was schon in früheren Jahrhunderten verbunden war und rückte mit der Begründung am 1.1.2013 zur Kirchengemeinde Ostrachtal noch enger zusammen.
Die Entstehung der Herrschaft Ostrach wird in der amtlichen Beschreibung Baden-Württembergs dem 14. Jahrhundert zugeordnet. Kloster Salem bildete damals aus seinem, meist vom hiesigen Adel seit dem 12. Jahrhundert, erworbenen Besitz um Ostrach und um Bachhaupten die salemische Herrschaft Ostrach.
Der Grundbesitz des Klosters unterstand hier vorwiegend zwei Landesherren, um Ostrach den Grafen von Sigmaringen, um Bachhaupten den Grafen von Friedberg (-Scheer). die gemeinsame Grenze der Grafschaften bildete das Flüsschen Ostrach.
Als kirchlicher Verwaltungsbezirk Salems hieß das Gebiet „Pfleg Pfullendorf". Der Bezirk erhielt den Namen nach dem salemischen Verwaltungszentrum in der Freien Reichsstadt Pfullendorf.
Die Organisation umfasste, wie aus Jahresrechnungen hervorgeht, die Pfarreien der späteren Herrschaft Ostrach. Diese wurden zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert mit Genehmigung des Papstes, Salem besitzmäßig mit allen Gütern, Rechten und sämtlichen Einkünften sowie ihren Filialen übertragen (inkorporiert).
1615 gehörten hierzu:
Burgweiler, Einhart, Levertsweiler, Magenbuch, Ostrach und Tafertsweiler. Alle weiteren Erwerbungen Salems wurden in die Pfleg Pfullendorf eingebracht. dem sogenannten Pfleger in Pfullendorf waren lange Zeit die Amtsträger in Ostrach unterstellt. Sie mussten jährlich Bericht erstatten. Ihre Aufgaben waren in den Anstellungsverträgen (Bestallungen) festgelegt. Sie hatten u.a. die niedere Gerichtsbarkeit und das Gebots- und Verbotsrecht wahrzunehmen. Als Tätigkeitsfeld wurde beschrieben: „zu Ostrach ob den Bergen, als zu Ostrach und an anderen Orten, so in die Pfleg Pfullendorf gehören".
Seit Beginn des 17. Jahrhunderts führten dann diese Amtsträger das „Oberamt Ostrach ob den Bergen und allen Orten".
Unter Abt Stephan I. Jung, , der von 1698 –1725 die Geschicke des Klosterstaates und somit auch des salemischen Ostrach lenkte, erblühte auch das Ostrachtal
Sein Augenmerk richtete er anfangs auf die Beilegung schwebender Prozesse, die viel Geld verschlangen.
Der erste dieser Art war der mit dem Fürsten von Hohenzollern wegen der Landesrecht in dem salemischen Amt Ostrach. Bekanntlich gab es hier, wo Landesrechte in verschiedenen Händen lagen, häufig Schwierigkeiten (links des Flusses der Einflussbereich der Hohenzollern und die rechts des Flusses mit Bachhaupten in dem der Truchsessen von Friedberg-Scheer). Diese beiden Herrscherhäuser hatten wiederum vorwiegend ihre hoheitlichen Rechte vom kaiserlich-österreichischen Hause als sogenanntes Lehen.
Die Vorgeschichte des Streits begann im Jahre 1611. Abt stephan gelang ein Abkommen , das im Jahre 1699 in Pfullendorf ausgehandelt wurde. Hier erhielt Salem die strittigen Regalien / landesherrschaftlichen Recht im Amte Ostrach als Lehen und nicht mehr pfandweise von Sigmaringen. Am 14. April 1700 schlossen die Parteien Salem und Sigmaringen einen ausführlichen Vertrag wiederum in Pfullendorf. Der restliche Teil Bachhaupten blieb zunächst im Besitz von Friedberg-Scheer. Doch 1708 kamen auch diese Rechte des Amts mit Gunzenhausen, Eschendorf und Tafertsweiler, sowie Einhart nach ebenfalls langwierigen Verhandlungen und Prozessen an Salem.
Diese Regalien der Herrschaft Ostrach überließ Österreich 1743 Salem als „ewiges Lehen" d.h. als dauernder Besitz.
Welche Bedeutung Salem dem Erwerb der landesherrschaftlichen Rechte über Ostrach beigemessen hat, ersieht man auch an einem Gemälde, welches um 1715 entstand. Es zeigt Abt Stephan mit einer buchförmigen Urkunde „Regalia Osteracensia" in der Hand. Die Urkunde ist mit einem großen Siegel versehen. Nun war erreicht, dass die Regalia beider Teil der Herrschaft Ostrach, rechts und links des Flusses, im Besitz Salems war.
Das war umso wichtiger für den Abt, da es um diese Zeit zu ernstlichen Zwistigkeiten mit Pfullendorf kam. Abt Stephan kaufte im Jahre 1700, das sogenannte „Sandhäusle", den heute noch bestehenden, nach ihm benannten Jung-Hof, nahe Pfullendorf.
Bei dem ,Pfullendorfer Vertrag vom April 1700 hatte sich der Fürst die Regalien des Dorfes Kalkreute vorbehalten. Im August 1715, kaufte Abt Stephan dem Fürsten die Regalien und sonstige Rechte von Kalkreute ab.
In den folgenden Jahren versuchte das Haus Hohenzollern auch Kalkreute wieder zurückzugewinnen, was jedoch nicht gelang. Die landesherrlichen Rechte über das Oberamt Ostrach erhielt Hohenzollern erst wieder im Jahre 1806, drei Jahre nach Aufhebung des Klosterstaates Salem
Entnommen aus: „Heimatgeschichtliche Beilage Nr. 3 vom November 1988 und Nr. 4 1989 von Walter Kempe"

