Die Kirche
Wann die erste Kirche in Levertsweiler erbaut wurde, ist nicht bekannt. Es war vor 1228.
50 Jahre später, 1278, wurde die Kirche durch Brand teilweise zerstört. Im gleichen Jahr waren die Schäden soweit behoben, dass der Weihbischof am 13. Dezember, dem Feste der Hl. Luzia, den Bau erneut benedizieren (weihen) konnte. Der Hochaltar wurde zu Ehren des Hl. Martin geweiht.
Der nächste bekannte Neu- oder Umbau erfolgte ca. 200 Jahre später, im 15. Jahrhundert. Aus dieser Zeit stammt der heutige Kirchturm. Er hat alle Stürme der Jahrhunderte überstanden. Der untere Teil ist aus Bruchsteinen ausgeführt mit sauber gearbeiteten Eckquadern. Das Glockenhaus und die Giebel bestehen aus großen Ziegelsteinen.
Ein Jahr nach der Wahl des salemischen Abts Peter II. Müller, im Jahre 1594, wurde in mehreren Kirchen der Pfleg Pfullendorf eine große Inventur durchgeführt. Es liegen ausführliche Inventarlisten vor (auch von Ostrach und Magenbuch), die Auskunft über das damals verwendete Material der Gegenstände aus Metall und Stoff, wie Kelche und Messgewänder geben. besonders fällt hier auf, dass schon 1594 eine Turmuhr mit Schlagwerk und Zifferblatt eingebaut war.
Unter Pfarrer Sebastian Weiß, der 1605 aus Magenbuch kam, fand dann ein weiterer Neu- oder Umbau statt. Eine Baurechnung (Baurodel) der Pfarrkirche aus dem Jahre 1613 liegt vor.
Das heutige, neugotische Kirchenschiff wurde 1840 nach den Plänen und unter Aufsicht des Fürstlichen Thurn und Taxisschen Werkmeisters Baur aus Buchau gebaut, Es ist ein verputzter Bruchsteinbau mit Biberschwanzdoppeldach. Das alte Schiff scheint sich vorher östlich des Turmes angeschlossen zu haben, wie der Dachansatz 1948 noch zeigte.
Die Kirche erfuhr jedoch seit 1840 einige Änderungen bei den Renovierungen 1905 des Daches, 1946/1950 innen und 1959/61 außen.
1980 wurde der Altarraum umgebaut und die Sakristei erweitert, 1983 musste das Kirchendach erneuert werden und wurde wieder mit Biberschwanzziegeln eingedeckt. 1986 wurde die Kirche innen und außen hergerichtet. Die letzte Renovierung erfolgte 2008/2009. Es erfolgte eine umfassende Innenrenovation. Die Raumschale wurde vollständig neu gefasst und durch ein neues Farbkonzept präsentiert sich die Kirche hell und freundlich. Die Bänke im Langhaus sind erneuert, die Orgel, in der Kriegszeit entstanden, wurde restauriert und bietet ein Klangerlebnis der besonderen Art. Restauriert wurde das Deckengemälde des letzten Abendmahls und die schönen Figuren im Kirchenraum. Das Chorgestühl und das Emporengeländer wurden erneuert, der Boden- und Chorbereich erstahlen im neuen Glanz.Die Pfarrkirche verfügte bis 2014 über ein vierstimmiges Stahlgeläut des Bochumer Vereins aus dem Jahr 1946. Im Zusammenhang mit der Sanierung der Läuteanlage wurden 2014 die vorhandenen Stahlglocken durch neue Bronzeglocken ersetzt. Der Glockenguss am 7. und die abschließende Glockenweihe am 23. Nov. 2014 stellten auch in unserer Zeit ein herausragendes Ereignis für alle Beteiligten dar.
Das Patrozinium (Heiliger als Schutzpatron)
Die Weihe des Altars zu ehren des Hl. Martin im Jahre 1278 bedeutet, dass St. Martin der Patron der Kirche war. An zweiter stelle dürfte St. Luzia gestanden haben.
Der Levertsweiler Pfarrer Jos Cloßmar verkaufte zusammen mit den Heiligenpflegern der Pfarrkirche St. Martin im Jahre 1498 Felder an Kloster Habsthal. (Cloßmar stiftete 1513 seine 4 Weinberge zu Buggensegel der Frühmesspfründe in Ostrach).
Mit der Urkunde von 1498 wird bewiesen, dass noch in diesem Jahr St. Martin als Patrozinium galt. Das erwähnte „Inventarium der Pfarrkürchen zue Läverschweyle Patrönin Sancta Lucia" vom 18. April 1594 zeigt, dass inzwischen ein Wechsel stattgefunden hat. Sancta Lucia ist nun Patronin und ist es bis heute. Der heilige Martin ist auch heute noch in der Kirche präsent und die Darstellung des heiligen Martin auf seinem Pferd ist eingelassen in die Brüstung der Orgelempore und blickt hin zum Altar, der optische Anziehungspunkt der Kirche.
Die Bruderschaftspflege
Im Bereich der Pfarrei Levertsweiler wurde, lt. Stiftungsurkunde, im Jahre 1759 die „Bruderschaft vom guten Tod" eingeführt. Die Bruderschaft hatte die Kosten für ihre Jahrtage, die Messen für die verstorbenen Mitglieder, die Monatssonntage und das Titularfest zu bestreiten.
Sie besaß einen eigenen Fond, der sich aus Geldern für gestiftete, spezielle Jahrtage, Geldopfer, jährlichen Beiträgen der Mitglieder und Aufnahmegebühren für neue Mitglieder finanzierte.
Entnommen aus:
„ Heimatgeschichtliche Beilage Nr. 4 vom Dezember 1988"
W. Kempe und P. Agreiter


Kirche St. Luzia
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