Die Kapelle St. Wendelin in Kalkreute
St. Wendelin in Kalkreute
Seit 1279 finden wir in den Urkunden Kalkreute in verschiedenen Namensformen (1279 in seiner Burgweiler Urkunde erwähnte Conrad von Gundelfingen den Ort bei der Übergabe seiner verschiedenen Güter an das Kloster Salem). Der Name deutet hin auf „Kal" und „Gereut/Kreut" und kann so als „Kahl" = Rodung/Kahlhieb der ersten Alemannen, die hier ihre Hütten bauten, gedeutet werden.
Kirchlich gehörte Kalkreute schon früh als „Filial" zur Pfarrei Ostrach. Von der „capell zu Kalckrutin" erfahren wir erstmals bei der Gründung der ewigen Frühmesse in der Pfarrkirche zu Ostrach im Jahre 1490 / 91. Man darf mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, dass die Kapelle in Kalkreute schon lange vor diesem Zeitpunkt existierte.
Heute ist das Gebäude Nr. 36 in Kalkreute, die Kapelle. Ihr Grundriss ist ein langgestrecktes Rechteck, dessen Ostteil wohl mittelalterlich ist. Die westliche Erweiterung wurde gegen Ende des 17. Jahrhundert gebaut. Nach Genzmer handelt es sich um einen verputzten Bruchsteinbau.
Auf dem Satteldach, nahe dem Westgiebel ,ist ein offener hölzener Glockenbock mit zinkgedeckter Haube aufgesetzt. Die Glocke stammt lt. „Deutscher Glockenatlas" aus dem Jahre 1822 und trägt als Gießerinschrift: FELIX KOCH GOSS MICH IN SALEM
(Hl: Wendelin, 1822, Kreuz, Muttergottes) →Details zur Glocke
Der Ostracher Pfarrer Mader, führte 1828 in seinem Inventarium außer der Glocke auch eine Turmuhr auf. Sie ist irgendwann verschwunden.
Von den 6 Fenstern sind die beiden östlichen im älteren Teil schmaler und mit verdrückten Spitzbogen versehen. Die anderen sind flachbogig. Der Fußboden ist mit Tonfliesen belegt.
Der Altar ist aus Holz, bemalt und vergoldet, mit Schnitzereien im Ohrmuschelstil. In der Mensaplatte sei die Jahreszahl 1686 zu lesen.
Nach der Beschreibung des Ostracher Pfarrers Georg Weiß aus dem Jahre 1593,war die Kapelle der Jungfrau Maria geweiht. Der Altar im „Kirchle" der Jungfrau Maria, sowie den Märtyrern St. Stephan und St. Margaretha. Wann St. Wendelin zum Schutzpatron von Kapelle und Altar erhoben wurde, konnte bisher nicht ermittelt werden. Vermutlich fand der Wechsel nach 1594 statt, als die Pfarrkirche zu Ostrach dem Hl. Pankratius und nicht mehr der Jungfrau Maria geweiht war (18.4.1594, wird bei der Aufstellung eines Inventariums, Pankratius als alleiniger Patron genannt).
Sicher ist, dass am 20. Oktober, in Kalkreute das Patrozinium gefeiert worden ist. Wendelin war ein Königssohn, der aber ein Hirte geworden ist. Er soll als Einsiedler oder Mönch in den Vogesen gelebt haben und um 617 gestorben sein. Wendelin ist der Patron der Bauern und für Vieh und Flur zuständig. Dargestellt wird der Heilige als Hirte mit Hirtenstab und Tasche, oder auch vor einer Klause sitzend und Rinder, Schweine und Schafe hütend. Wendelin bedeutet im Althochdeutschen, „Wanderer, Pilger".


Kapelle St. Wendelin
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